Das Aktzeichnen nach Modell ist eine tiefgreifende Arbeit für Künstler und Modell. Anschaulich schildert uns Heidi Maria Regaz-Hürlimann wie sie das erlebt.
Mit den Augen den Linien, den Hügeln und Tälern des Körpers folgen, ihn mit allen Sinnen erspüren, während die Hand auf dem Blatt den Bewegungen folgt, Linien zeichnet, Schatten vertieft, Lichter setzt. Die Lebensgeschichte des Menschen erahnen, der da steht, sitzt oder liegt. Die Botschaft der Pose verstehen, die er gewählt hat.
Modelle, die mit grosser Selbstverständlichkeit Blicke auf ihren nackten Körper gewähren, andere, denen es nicht so leicht fällt, die sich verstecken und gleich fällt auch das Zeichnen schwerer. Es findet ein ständiger Dialog statt zwischen Modell und Künstlerin.
Stellt sich der Betrachter des fertigen Bildes den Gefühlen, die in ihm aufsteigen, setzt sich der Dialog fort, stumm, in der Sprache, welche die Künstlerin gewählt hat, der Bildsprache.
Dann fliesst die Kommunikation.
Die Bildsprache ist eine Form der Kommunikation, welche das Wort nicht braucht. Das Bild spricht zum Betrachter über die Gefühle. Lässt der Betrachter zu, dass das Bild zu ihm spricht, wird er Teil davon und beginnt auf die Sprache seines eigenen Inneren zu horchen, welche ihm etwas bewusst machen möchte. Menschen zeichnen und malen ist eine tiefgreifende Arbeit für Künstler und Modell.
In der Ausprägung des Körpers, seiner Form und Haltung zeigt sich, was wir erlebt haben, was wir fühlen und denken. In der Nacktheit sind wir ehrlich und authentisch.
Zugegeben: Kleider machen Leute, aber Nacktheit zeigt den Menschen, nicht den Schauspieler, ohne Lüge und ohne Verstellung. Und der Mensch ist schön, wie alle Geschöpfe schön sind. Aber er ist das einzige Geschöpf, welches Angst hat sich so zu zeigen wie es ist. So ist eine Aktzeichnung unverblümt, unmittelbar und unverkleidet.Zeichnen ist sehen.
Mit dem Blick so oft wie möglich auf dem Modell und so wenig wie nötig auf dem Papier wird das Modell in seinem ganzen Sein erfasst und übertragen. Das Zeichnen und Malen mit den blossen Händen ermöglicht eine Unmittelbarkeit des Erlebens und des Tuns, welche mit dem Pinsel nicht möglich ist. So verzichte ich weitgehend auf solche Hilfsmittel nicht nur bei den Aktzeichnungen, sondern auch bei den Ölbildern.
Indem ich mich ganz auf den Prozess einlasse vertraue ich meinem Gefühl und lasse viel Raum für Experimente und Entstehungsmöglichkeiten, welche ausserhalb meines Wollens liegen.







Anja
17. Juli 2012
Herzlichen Dank für diesen wunderbaren Artikel und Deine nicht minder wunderbaren Bilder!
LG Anja
Heidi Maria
17. Juli 2012
Vielen Dank, liebe Anja, für das schöne Kompliment!
Verena
17. Juli 2012
Ich schließe mich Anja an!…und möchte dir auch für deine stetige Präsenz hier auf Art11 danken! Wir sind froh dass wir dich haben!
lg Verena
Heidi Maria
17. Juli 2012
Danke Verena! Das ist doch selbstverständlich, dass ich mich hier engagiere! Als ich ja dazu gesagt hatte war das mitbeinhaltet, dass ich hier tatkräftig mitmache, so wie es mir eben möglich ist.
lg Heidi Maria
walter
17. Juli 2012
Mein Favorit ist “Alexandra” – sehr schön gelungen. Hoffe, noch mehr von Dir zu sehen.
lg
Walter
Heidi Maria
18. Juli 2012
Danke Walter. Ja gell die nicht klar definierten mit schnellem spontanem Strich haben es in sich. Das sind dann die Perlen, die einem unverhofft hie und da zufallen.
lg
Heidi Maria
Patrizia Gunsch
18. Juli 2012
Liebe Heidi, ich hatte das grosse Glück all deine schön sortierten Werke bei dir zu Hause durchzublättern , berühren und zu fühlen. Hab mich in alle deine Bilder und deine wundervolle Art zu schreiben verliebt. Ich denke sogar noch sooft daran zurück und ich werde es wieder mal tun, beim nächsten Besuch. Du bist ein Reichtum für uns und unser Magazine!
ganz liebe Grüße nach St. Gallen
Patrizia
Heidi Maria
18. Juli 2012
Danke, liebe Patrizia, für Deine schönen und lieben Worte. Mir geht es auch so mit Deinen Bildern, die sprühen vor Energie und Lebenskraft.
Ich würde mich freuen, Dich wieder mal bei mir zu Besuch zu haben. Ich würde dann auch mal versuchen, Dich zu porträtieren!
ganz liebe Grüsse nach Südtirol. Ich hoffe, dass der Sommer in der Zwischenzeit auch bei Euch angekommen ist – mit seiner schmeichelnden Wärme – nicht mit der Arbeit!
Heidi Maria