Die aus Graz/Österreich stammende Künstlerin Nadja Schwendemann stellt sich vor. Ihr malerisches Spektrum ist sehr vielseitig. Seit einiger Zeit arbeitet sie an einem Konzept für empathische Kunst.
Ich wurde im Januar 1962 in Graz/Österreich geboren. Mutter und Großvater waren bereits Maler. Seit 1969 lebe ich in Deutschland und arbeite seit rund 20 Jahren als freischaffende Künstlerin. In meiner künstlerischen Laufbahn gab es keine Professoren und keine Lehrer. Ich ging meinen Weg allein.
Mein Atelier trägt den Namen „OCULUS“ das empathische Auge. Grund dafür ist meine ausgeprägte Eigenschaft, die Bühne des Lebens mit all ihren Statisten bis in die tiefsten Gründe wahr zu nehmen, zu erforschen und im besten Falle darauf Einfluss zu nehmen, in dem ich das Beobachtete zu einem Ergebnis verarbeite und auf meine Art „zurückgebe“. Empathie spielt für mich hierbei eine maßgebende Rolle. Sie ist ein Werkzeug, dessen Gebrauch ich nicht verweigern kann.
Der malerische Akt selbst ist begleitet von einem intensiven Empfinden, einem ekstatischen Ausbruch, vergleichbar einer Schleuse, vor deren Öffnung sich das Thema zu einer kochenden Brühe verwandelt, darauf wartend, mit kraftvollen Acryl – Farb – Würfen auf den Malgrund geschleudert zu werden.
Dieser Teil der Arbeit wird von experimentellen, musikalischen Klängen verschiedenster Art begleitet und bringt mich oft an die Grenzen meiner Emotionalität.
Der zweite Teil konzentriert sich auf das intuitive Erkennen der „geworfenen“ Formen. Der Farbwurf und das behandelte Thema ergeben zusammen mit der Musik einen gemeinsamen Klang in dem ich dann das Bild erkenne. Nun arbeite ich mit Ruhe und Disziplin das Bild aus den Formen heraus. Dabei bewege ich mich von der Abstraktion bis hin zu gegenständlichen Formen, so als würde ich das Thema von der Ebene der Ideen verfolgen, bis hinein in unsere vertraute Realität. Nicht selten nehme ich vorher noch die Kurve zum Surrealen hin.
Meine malerischen Arbeitsweisen reichen von altmeisterlich bis zu abstrakt, vom Pinsel über den Spachtel bis hin zur Wurftechnik, von Öl über Acryl bis hin zu Tusche, Kohle und Ölkreide. Die Motivwahl beginnt bei tiefer Ernsthaftigkeit, und endet oft in skurrilem Witz oder Ironie. Ich komme nicht umhin zu sagen…..meist portraitiere ich mich selbst.
Die Art und Weise meiner Wahrnehmung, meines inneren Erlebens vor und während meiner Arbeit veranlassten mich dazu, tiefer in das Thema Empathie einzutauchen. Meine psychologische Ausbildung und die Beschäftigung mit den Bereichen Hochsensitivität und Hochbegabung, aber auch deren Zusammenhänge mit „Problemdiagnosen“ wie ADHS oder Borderline brachten mich dazu, mit Betroffenen gemeinsam künstlerisch zu arbeiten und diese Themen zu behandeln.
Seit einiger Zeit arbeite ich an einem Konzept für empathische Kunst. Ziel dieses Konzeptes ist für mich, die empathische und hochsensitive Persönlichkeitstruktur des Künstlers, seine darauf begründete Arbeit und ihre mögliche Wirkung zu beleuchten, und für das kunstinteressierte Publikum zugänglich zu machen.
Die vielschichtige Persönlichkeit des Künstlers liegt mir ebenso am Herzen, wie der künstlerische Ausdruck selbst.
Eine andere wichtige Frage für mich ist die, ob Empathie vom künstlerischen Werk auf den Betrachter übertragbar ist.
Ich denke, hat ein Werk die nötige Kraft, und trifft es das „richtige Gegenüber“, wird es dieses berühren und bewegen.
Was in Bewegung gerät kommt unweigerlich in einen gelösteren Zustand und ist somit bereit für Veränderung. Ein Ge – braucher empathischer Kunst läuft also „Gefahr“, selbst empathisch zu empfinden. Auf diese Weise kann Empathie durchaus übertragbar, also „ansteckend“ sein. Welch eine Chance für unsere kulturelle Entwicklung!
Die Entstehung des Konzeptes für empathische Kunst kann man auf der Seite www.scouts.aritstsite.de verfolgen. Hier habe ich auch den Grundstein für die „SCOUTS – Gemeinschaft empathischer Künstler“ gelegt.









Heidi Maria
19. Juni 2012
Liebe Nadja
Bin beeindruckt¨- sowohl von den Bildern wie vom Text. Einiges in den Ausführungen kommt mir sehr bekannt vor!
Ob nun aber Empathie von Bildern auf den Betrachter übertragbr ist? Da habe ich meine Zweifel. Sind es nicht empathiebegabte Menschen, die dann so auf die Bilder reagieren? Empathie ist ja etwas seelisches. Vielleicht kann es auch sein, dass ein Bild in so tiefe Schichten eindringt, dass es aufrüttelt und einen Prozess einleitet, der dann letztendlich einen Schritt in diese Richtung ermöglicht.
Ich werde mir Deinen Artikel wohl noch einige Male zu Gemüte führen und dann sehen, was für Antworten sich für mich auftun.
Jedenfalls habe ich Deinen Artikel mit Begeisterung gelesen. Die Bilder stossen bei mir auf unterschiedlichen Widerhall. Ich muss mich damit zuerst noch eingehender befassen
Liebe Grüsse aus der Schweiz
Heidi Maria
Heidi Maria
19. Juni 2012
Übrigens das Bild “Julias Schwester” ist der Hammer. Das muss ich immer wieder anschauen. Die offene rechte Seite des Gesichts, die ja eigentlich die linke ist, wenn sie mir gegenüber steht, also die nach innen gerichtete Seite, und dann die zugemauerte andere Seite, die nach aussen gerichtete Seite…. ich muss das noch weiter wirken lassen!
Nadja Schwendemann
20. Juni 2012
Liebe Heidi Maria,
danke für deinen schönen Kommentar. Deine Frage in Bezug auf die Übertragbarkeit der Empathie ist berechtigt und sehr interessant. Ich habe oft festgestellt, daß es natürlich Menschen sind, deren Fähigkeit zur Empathie durch Alltagssituationen überdeckt sind und durch die Ruhe und das Betrachten eines Bildes und oft auch durch ein Gespräch darüber doch geweckt wurde. Menschen, die sich die Zeit nehmen, ein Bild eingehender zu betrachten, haben sehr oft schon diese empathischen Eigenschaften, andere, die gehen vorrüber und sehen nicht hin, was mich selbst immer wieder in Erstaunen versetzt.
Daß dir Julias Schwester gefällt, das freut mich, da mich die Fertigstellung dieses Werkes einiges an Zeit und auch Überwindung gekostet hat. Die Farbe auf dieses halbfertige Gesicht zu werfen, war nicht ganz einfach, doch der Mut wurde belohnt und ich mag dieses Bild selbst sehr gerne. Es zeigt ein wenig den Widerstreit in mir zwischen meinen Darstellungsweisen. Es hat einen großen Verehrer und er besitzt bereits die “Julia” selbst. Vielleicht finden die Schwestern eines Tages zusammen…..
in diesem Sinne,
ganz liebe Grüße in die Schweiz
Nadja
Patrizia Gunsch
21. Juni 2012
Liebe Nadja,
Empathie empfängst du im gesamten Körper.
Wundevoller Artikel mit erstklassigem Bilder von Dir!!! Ein großes Kompliment von mir!
ein blick in die welt -sehr schön!!!
“Julias Schwester” mein Favorit!!!
Herzliche Grüße aus Südtirol
Patrizia
Gisela Hammer
21. Juni 2012
Gratulation, liebe Nadja!
Sowohl Dein Bericht über Dich und Deine Arbeit als auch Deine Bilder
beeindrucken mich sehr! Sie sind etwas ganz Besonderes!
Glückwunsch, großes Kompliment und
schöne Grüße von Gisela
Dagmar
23. Juni 2012
Liebe Nadja,
bin beeindruckt von Wort und Bildern! Obwohl ich surrealen Bildern normalerweise nichts abgewinnen kann, haben mich deine Werke zum Nachdenken gebracht und sprechen mich echt an
Danke für den interessanten Artikel und die “sprechenden” Bilder:-)
Liebe Grüße aus Wien
Dagmar
Nadja Schwendemann
24. Juni 2012
Hallo,
einen ganz großen Dank für Eure Kommentare und die Anerkennung. Hierdurch erwächst wieder neue Motivation und Schaffenskraft.
Es ist schön dabei zu sein!
Ganz liebe Grüße aus NRW
Nadja
Elisabeth Deutsch
25. Juni 2012
Hallo Nadja!
Wahnsinnig beeindruckende tiefe Bilder, die das Hirn zum Wiederkäuen und zum Wiederansehen anregt.
Oft entdeckt man Details, die beim ersten Ansehen nicht bewusst wahrgenommen worden sind und ist erstaunt über den Ideenreichtum und der Intensität der Bilder.
Liebe Grüße
Lisi
Heidi Maria
25. Juni 2012
Liebe Nadja
Jeden Tag muss ich Julias-Schwester wieder von neuem anschauen, und ich glaube sie hat mir noch ganz viel zu erzählen: Dass sie an der Aussenwelt schier zu zerbrechen droht, obwohl ihr inneres stark und gefestigt ist. Dass sie ihre hohe Sensibilität manchmal ins Pfefferland wünscht und ohne sie doch nicht leben könnte. Dass ihr innerer Bilderreichtum manchmal einen schwierigen Weg durch dicke Mauern nehmen muss.
Diese Gedanken wollte ich einfach mit Dir teilen, Nadja!
Liebe Grüsse
Heidi Maria
Nadja Schwendemann
25. Juni 2012
Hallo Lisi,
es freut mich sehr, wenn Kunst es schafft, das Hirn zum “Wiederkäuen” anzuregen, ich genieße es auch besonders, wenn die Kunst anderer dies bei mir schafft. Dann hat man doch sein Ziel einigermaßen erreicht. Und wenns zu dem nicht langweilig wird und man noch nach mehrmaligem Hinsehen Neues entdeckt um so besser, danke Lisi, für deinen schönen Kommentar.
Hallo Heidi Maria,
Die Julia hats dir angetan, was? Was du in ihr siehst geht mir sehr nahe, das kannst du dir denken. Ich kenne so einige “Julias” und oft gehts mir selbst auch nicht anders und du scheinst zu wissen, was es bedeutet….. stimmts? Empathie und Feinfühligkeit können gute und brauchbare Werkzeuge sein, aber es ist sehr anstrengend, sie gut zu nutzen.
In diesem Sinne….. alles liebe für dich und danke für den schönen Kommentar.
Nadja
Heidi Maria
25. Juni 2012
Hallo Nadja
Ja die Julia berührt mich ganz besonders. Es ist ja so: das was man beim andern sieht, kennt man bereits selber. Wenn es nicht zum eigenen Erfahrungsschatz gehören würde, könnte man es unmöglich beim andern erkennen.
Mit unserer Malerei geben wir ja immer wieder unser Innerstes preis. Indem wir uns offen legen, geben wir auch für den Betrachter Anstösse, um sich nicht mehr verstecken zu müssen!
Auch für Dich alles Liebe
Heidi Maria
Edgar Piel
4. März 2013
Tolle Arbeiten. Sehe sie ja nicht zum ersten Mal, bin aber immer wieder entzückt. Gruß, Edgar