Ein Gespräch mit dem Fotokünstler Achim Koerfer

„Mit meinen Bildern stelle ich den Status quo infrage“ lautet das Motto des Fotokünstlers Achim Koerfer aus Mönchengladbach, der sich in seiner Kunst mit kontroversen gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt. Seine Werke sind kein Abbild der ihn umgebenden Dinge und Situationen sondern enttarnen sie vielmehr.

Deine Bilder sind sehr eindringlich und farbintensiv. Geht es dir dabei nur um Ästhetik?
Natürlich möchte ich, dass meine Bilder wahrgenommen werden und die Blicke auf sich ziehen. Schließlich erfüllen sie ja nicht nur einen dekorativen Zweck, sondern transportieren auch eine Botschaft. Durch leuchtende Farben und starke Kontraste werden Widersprüche erkennbar, die in der Wirklichkeit überlagert oder sogar verleugnet werden.

Fotokünstler Achim Koerfer

Stichwort Überlagerung: Deine Fotografien scheinen alle mehrere Ebenen zu haben. Wie entsteht dieser Effekt?
Was mich seit jeher völlig fasziniert, sind analoge Mehrfachbelichtungen. Ich habe diese Technik konsequent verfeinert und sie ist charakteristisch für mein gesamtes Werk. Das Verfahren ist natürlich ziemlich aufwendig, weil schwer planbar. Wenn ich das erste Motiv mit meiner Spiegelreflex-Kamera eingefangen habe, beginnt die Suche nach dem passenden zweiten oder dritten Motiv und das Gestalten direkt auf dem Film. So entstehen spannende Kompositionen – vielschichtig, überraschend und mit verschobenen Perspektiven –, bei denen sich Gegensätzliches zu einem harmonischen Ganzen vereint.

Das Aufzeigen von Gegensätzen oder Widersprüchen scheint dir sehr wichtig zu sein, oder?
Unbedingt. Es ist mir ein großes Anliegen, auf gesellschaftliche Missstände und Ungerechtigkeiten hinzuweisen. Ich möchte anderen bewusst machen, wie sie für zweifelhafte Zwecke ausgenutzt werden. Dass sie sich vor den Karren von Unternehmen und Organisationen spannen lassen, die einzig ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen verfolgen.

Ich erwarte nicht, dass jeder, der eines meiner Bilder sieht, gleich die Message dahinter versteht. Daher setze ich eher auf die Wirkung meiner Werkreihen, die ich seit vielen Jahren veröffentliche. Jede besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Motive, die alle ein gemeinsames Schlüsselmotiv haben, aber jeweils in einem völlig anderen Kontext stehen. So, dass das entsprechende Thema aus jeder denkbaren Perspektive beleuchtet wird. Um meine Arbeiten einem breiten internationalen Publikum zugänglich zu machen, habe ich 2006 die virtuelle Fotokunst-Galerie www.unikatfabrik.de ins Leben gerufen.

 

Glaubst du, damit kannst du etwas erreichen?
Nun, ich bin nicht völlig realitätsfremd und sehe mich auch nicht als den großen Heilsbringer. Ich möchte aber, dass brisante Themen nicht einfach durch massive Lobbyarbeit unter den Tisch gefegt werden. Vielmehr möchte ich mit meinen Bildern zum Nachdenken anregen. Im Idealfall auch zum Umdenken. Es ist schon sehr viel erreicht, wenn man erfasst, was unser vordergründiges Handeln letztlich für Konsequenzen hat.

Inwieweit gelingt es dir, deine Überzeugung auch zu leben?
Mir ist es ein wichtiges Anliegen, die Kunst in den Dienst humanitärer Aufgaben zu stellen. Das ist die Überzeugung, die sich auch durch mein eigenes Leben und künstlerisches Schaffen zieht. Durch meine Kunst lenke ich nicht nur den Blick auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen, sondern setze mich auch aktiv dafür ein, um Abhilfe zu schaffen. Deshalb unterstütze ich seit vielen Jahren verschiedene Hilfsorganisationen und internationale Charity-Projekte.

Autor / in
Chefredakteurin Art11, Kunstschaffende aus Bozen/Südtirol-Italien
3 KommentareDein Kommentar
  1. Lieber Achim,
    in vielen Punkten stimme ich dir zu, ich danke dir und wünsch dir viel Spaß und Erfolg bei bei Art11!
    lg

  2. also diese Überlagerungen finde ich ja total spannend! Man kann soviel damit ausdrücken und ersichtlich machen und so man als Betrachter will, das Hintergründige erforschen …..sich auf die Thematik voll einlassen.
    Von den gezeigten Fotos gefällt mir persönlich das Tulpenbild besonders gut – einfach einmal, weil ich Tulpen mag, ohne jetzt den tieferen Sinn erforschen zu wollen…..
    Liebe Grüße aus Wien

  3. Ja – sehr spannend Deine Bilder.

    Also bei den Tulpen hätte ich meine liebe Mühe, das Hintergründige zu finden. Jedoch bei anderen werde ich sofort fündig, so z.B. bei der Frau hinter der Plastikfolie: gefangen, keine Luft mehr kriegen, eingewickelt und manipuliert….

    Liebe Grüsse aus der Schweiz

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