Werbung – auf afrikanische Art

Überall in den größeren Orten von Guinea, Westafrika, wird das Warenangebot eines Geschäfts oder die Serviceleistung in naiv gemalten Bildern präsentiert. Künstlerin Gisela Hammer läßt uns an ihren Eindrücken teilhaben…..

Es erinnert an moderne Hieroglyphen – eine Bildersprache der besonderen Art.
So sympathisch wie die Menschen Westafrikas – und so pragmatisch wie es die Situation erfordert:
-Plakativ sind Elektrogeräte an die Hauswand des Ladens gemalt.
-Anschaulich vermittelt eine Sekretärin an der Tastatur ihres Computers die Botschaft eines Schreibservices.
-Motorenteile und Zubehör, klar und eindeutig an die Wand gepinselt, laden ein, im Geschäft nach geeigneten Teilen zu suchen.
-Getränke und Tellergerichte, an die Wand gemalt, zeigen in unmißverständlicher Bildsprache – hier gibt es zu Essen und zu Trinken.
Zumindest zwei ganz profane Gründe offenbaren sich mir für diese Art der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit:
Zum einen die vielen Analphabeten im Land, die zwar nicht lesen, sehr wohl aber Bilder verstehen und interpretieren können.
Zum anderen ganz simpel die fehlende technische Voraussetzung für gedruckte Werbetafeln oder Plakate. So bleibt nur die von Hand gemalte Variante – mal künstlerischer, fast wie ein Gemälde in mehreren Farben, mal eher piktogrammhaft, nur auf das Wesentliche reduziert.Für die Einheimischen ist diese Art der Präsentation obligatorisch, daher auch nichts besonderes, auf mich hat sie jedoch eine starke Wirkung. Allein dadurch, dass all diese Werbebotschaften Unikate sind und allein schon deshalb nicht stereotyp wirken, vermitteln sie mir eine ganz individuelle Botschaft und ich fühle mich persönlich angesprochen.

Meine Favoriten, die ich während meiner Reise durch Guinea entdeckte, waren die Aufmerksamkeit weckende Werbetafel eines Friseurs, die das gesamte Servicespektrum offerierte und zu einem Besuch animierte;

aber auch das ca. 2 x 1,50 m große Banner, an eine Wand gespannt, welches viele Krankheiten und Beschwerden in naiver Bildsprache darstellte, beeindruckte mich. In Selbstdiagnose deutet der Patient auf das für ihn zutreffende Krankheitsbild – schon hat der Apotheker ein Elixier in einer der zahlreich präsentierten Flaschen parat!

Diese Art der Werbebotschaften in ihrer authentischen Umgebung urbanen Lebens sehen zu dürfen, hat nochmals eine ganz andere Qualität, als sie in neutralen Räumen in einer Ausstellung zu betrachten. Ich war jedesmal aufs Neue entzückt, wenn ich wieder eine dieser Kuriositäten auf meiner Reise durch Guinea im April 2012 entdeckte.

Gisela Hammer (4 Posts)

Gastautorin Art11, Kunstschaffende aus Deutschland


Autor / in
Gastautorin Art11, Kunstschaffende aus Deutschland
9 KommentareDein Kommentar
  1. Superschöner Artikel Gisela!!!! Danke

  2. Gerne, Verena und danke!!!

  3. Spannender Einblick in eine fremde Kultur. Danke, dass Du uns diesen Einblick gewährst, Gisela!

  4. Gerne, Heidi Maria. Wenn man schon die Möglichkeit hat, von einer Gegend zu berichten, in der noch nicht mal das Wort “Tourismus” existiert……

  5. Liebe Gisela,

    ich habe mich sehr über diesen Artikel gefreut.
    Es ist interessant zu lesen und zu sehen, wie die Werbung mit einfachen Mitteln doch so eindrücklich dargestellt werden kann……..ich als gelernte Werbetechnikerin und Schildermalerin finde diese Art der Werbung sehr ansprechend, und verlockend eine solche einmal selber zu machen…..danke für den tollen Artikel und die wunderbaren Fotos aus einer scheinbar anderen Welt!

    LG Anja

  6. Toller Artikel, farbenfroh, bunt und sehr interessant, liebe Gisela!
    LG

  7. Liebe Gisela!

    Vielen herzlichen Dank und gratulation zu diesem schönen Artikel und den wunderbaren Fotografien!

    Ich sende Dir leibe Grüße,

    Florian

  8. Freut mich natürlich, liebe Gabriela, dass Dich der Artikel anspricht….

  9. Vielen Dank, lieber Florian, für Deine herzlichen Worte…..insbesondere auch, was die Fotos betrifft…..wenn Du wüßtest, wie die oft entstanden sind………aus dem fahrenden Bus………schnell Fenster geöffnet und auf Verdacht den Auslöser betätigt……….manchmal klappte es so einigermaßen, manchmal aber auch leider nicht……….glg Gisela

Neuen Kommentar hinzufügen

Bitte trage deinen Namen ein.

Name wird benötigt

Bitte trage eine gültige Email Adresse ein.

Email wird benötigt

Please enter your message

Art11

Art11 ist ein Online-Magazin in dem kunstbezogene Themen erörtert werden. Zur Zeit setzt sich die Redaktion aus sieben Künstlerinnen aus vier verschiedenen Ländern zusammen, die sich in der weiten Welt des Internets gefunden haben. Zusammen mit den Gastautoren gestalten wir die Berichte in diesem Magazin.

Wir möchten die Gelegenheit bieten mehr über die Personen hinter den Werken zu erfahren. Kunst ist ein weitgefächertes Thema und bietet viel Raum für Beiträge, Gedanken und Diskussionen in verschiedenster Form. Dies möchten wir ohne kommerzielle Vermarktung verwirklichen.

Ein reger Austausch mit Künstlern, Künstlerinnen und Kunstliebhabern ist uns sehr wichtig. Deshalb bewerbe Dich als Gastautor. Stell Dich, Deine Kunst und Gedanken vor.

art11 – magazine © 2013 All Rights Reserved

Designed by WPSHOWER

Powered by WordPress

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de