Sollte ein Künstler realistisch malen können, bevor er sich an abstrakte Kunst macht?
Diese Frage hat Verena Unterpertinger drei Künstlerinnen gestellt die sich mit der abstrakten Malerei beschäftigen. Annette Marx, Dagmar Kleinowitz und Anna Schüler.
So unterschiedlich diese Künstler sind, so fallen auch ihre Antworten aus!
Annette Marx: “, …. ich denke, Kunst setzt das Sehen voraus. Das bedeutet sowohl Gestalten im weitesten Sinne als auch ihre Details, als Strukturen, Ästhetik und Gesamtanmutung…. Über die Empfindungen beim Sehen erschließt sich die Abstraktion, die Bereitschaft des Künstlers sich über das Gesehene hinaus mit dem unbewusst Gefühlten auseinanderzusetzen, sich einzulassen auf Gespürtes…. ein Künstler sollte in erster Linie sehen können.
Dagmar Kleinowitz: “Gegenständlich zu malen gibt mir nichts – Blumen, Landschaften, Sonnenuntergänge usw – das alles kann ich wunderbar fotografieren.
Ich bin jedoch schon der Meinung, dass man eine gewisse Technik beherrschen sollte, auch beim abstrakten Malen. Nur ein paar Farbkleckse und dann ein “tolles Geschwafel” drumherum, was man sich alles dabei gedacht und gefühlt hat – nein, das ist mir auch zu wenig, zu dünn und nichtssagend. Viele Bilder , die Maler/innen als fertig betrachten, wären für mich nicht einmal Untergrund, geschweige denn ein fertiges Bild. Unter dem Deckmantel Kunst wird schon sehr viel “Mist” produziert.
Anna Schüler: “Meiner Meinung nach ja, also zumindest in meinem Selbstverständnis – bei mir war immer der Anspruch da alles zu können um es dann weglassen zu können. Das ist auch das was ich meinen Schülern vermitteln möchte.”











Melek Baydar
7. Dezember 2011
Auf der Kunstakademie lernt man ja sein Handwerk realistisch zu malen und zu zeichnen. Wenn man dann später seinen eigenen Stil entwickelt und mehr und mehr aus den eigenen Gefühlen malt verfließen die realistischen Konturen allmählich. Meiner Meinung nach entsteht durch abstraktes Malen pure Gefühlsäußerung.
Verena
7. Dezember 2011
Hallo Melek, ich geb dir Recht.
Ich hab zwar keine Kunstschule besucht, aber ich hab angefangen indem ich Stilleben gemalt habe. Aber das hat mir keine Befriedigung gegeben.
Also bin ich einen Schritt weitergegangen und habe versucht Menschen zu malen!…und da hat es klick gemacht. Einen Menschen malen und dazu noch Gefühle einbauen war und ist für mich die Richtige Herrausforderung. Dabei liebe ich es gemaltes wieder rückzuführen und ins Abstrakte zu leiten, denn genau dort kann man das Gefühl noch unterstützen.
In letzter Zeit beschäftige ich mich auch gerne mitabstrakten Bildern, ich habe einige versucht zu malen, aber mir fehlt glaub ich noch genau das was du ansprichst…..die pure Gefühlsäußerung.
Ich werde nicht aufgeben und ich werde an mir weiterarbeiten, denn ich möchte frei sein in meiner Malerei..und ich möchte die pure Gefühlsäußerung!
Danke dir Melek! Dein Satz hat mir jetzt wieder Motivation gegeben um weiterzuprobieren!
Michael Weber
7. Dezember 2011
Ich denke nicht bei der Arbeit.Ich denke vorher und dann nachher wieder.Dazwischen ist Technik.
Obwohl der informellen Kunst zugeneigt und verpflichtet,hält mich das nicht davon ab “reale” Versatzstücke einzubauen und/oder zu nutzen.Genau betrachtet gibt es ja garkeinen Unterschied in der Malerei. Ein gemaltes Pferd ist nicht weniger abstrakt als ein gemalter Strich.
Rosangela Scheithauer
8. Dezember 2011
Melek´s Meinung trifft genau meiner Meinung dazu!!!!! so sehe ich auch!
Heidi Maria
8. Dezember 2011
Für mich stand von je her der Mensch im Mittelpunk mit seiner ganzen Geschichte. In rund 15 Jahren Aktzeichnen war das reine Gefühlsäusserung für mich. Zum Teil so stark, dass es anderen Gefühlsmenschen oft zuviel wurde.
Ich glaube einfach, das eine schliesst das andere nicht aus, und das sprechen darüber nimmt dem Bild die Kraft.
Conny
12. Dezember 2011
… mit der Aussage von Frau Kleinowitz kann ich leider nichts anfangen. Sie schreibt: “Viele Bilder , die Maler/innen als fertig betrachten, wären für mich nicht einmal Untergrund, geschweige denn ein fertiges Bild. Unter dem Deckmantel Kunst wird schon sehr viel “Mist” produziert.”
Ich sage, abstrakte Kunst liegt im Auge des Betrachters und darf nicht von anderen Künstlern nieder gemacht werden. Wenn jemand meint, sein Bild ist fertig, dann sollte man es so belassen.
Auch ich lerne an einer Kunstakademie und male Abstrakt. Ich denke, abstrakte Kunst kommt vom Inneren.
Dagmar
12. Dezember 2011
ja Conny,,
abstrakte Kunst kommt von Innen, da gebe ich Ihnen 100%-ig Recht. Kunst ohne Seele, ganz egal ob gemalt, gesungen gesprochen usw – ist leer/seelenlos.und spricht nicht an/berührt nicht.- zumindestens mich nicht.
Aus diesem Gesichtswinkel betrachtet, empfinde ich vieles seelenlos , dünn und nichtssagend, empfinde es als halbfertig.
Vielleicht ist dasselbe Werk für andere wunderschön und ansprechend, kann schon sein. Kunst/Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters.
ich finde es jedoch legitim, auch sagen zu dürfen, dass mir etwas nicht gefällt, genauso wie zu sagen etwas ist wunderschön , ansprechend und meisterlich.
Auch Negatives darf gesagt werden, ohne dass man jemanden niedermachen möchte….habe ja niemanden persönlich angesprochen sondern nur allgemein fesgestellt. Glaube nicht, dass Ihnen alles gefällt, oder?
Conny
12. Dezember 2011
oh je Dagmar – ich wollte Sie in keinster Weise angreifen. Nein – Nein. Es ist völlig korrekt: Kunst ohne Seele ist leer und seelenlos. Im Bild muss “etwas” sein. man muss sich “angesprochen” fühlen. Das Bild muss leben. Und ob etwas lebt oder nicht, weiß sowieso nur der Künstler selbst.
Nein – mir gefällt auch nicht alles
. Bei manchen Bilder sage auch ich “mmhhhh hier fehlt etwas”.
Also 1000 x sorry, wenn mein Posting falsch rüber kam.
LG
Conny
Dagmar
12. Dezember 2011
das passt schon Conny
– wollte es nur ein bißerl zurechtrücken, denn runtermachen ist das Allerletzte was mir in den Sinn kommen könnte.
Allerdings muß ich schon wieder widersprechen: Ihre Aussage: ” Und ob etwas lebt oder nicht, weiß sowieso nur der Künstler selbst” kann ich nicht zustimmen.
Auch der Betrachter spürt, ob das Bild etwas zu sagen hat, Seele hat und lebt……
Liebe Grüße aus Wien
Dagmar
Luna
13. Dezember 2011
Da stehe ich, die doch sehr real malt,
auch voll dahinter:
Ein seelenloses Bild,
welches nur auf Technik
oder auf “Hinklecksen” basiert,
ist so oder so nicht ansprechend.
Da ist es dann egal, ob real oder abstrakt.
Jeder Kunstschaffende, der mit seinen Werken berühren will,
wird Seele einbringen.
Egal, ob real, abstrakt oder 3dimensional mit Skulpturen.
Zu der gestellten Frage, ob ein Künstler realistisch malen soll, bevor er
abstrakt malt, da kann ich nicht mitreden,
da ich noch nie wirklich abstrakt gemalt habe.
Um aber Gefühle auszudrücken,
glaube ich,
ist es da wichtiger, das Malmedium zu beherrschen
als realistische Kunst.
Jeder muß für sich selber spüren,
welcher künstlerische Weg für ihn der Beste ist.
LG von Luna
Nadja Schwendemann
16. Mai 2012
Hallo, ich bin Gast hier, beeindruckt von Euren Themen und Kommentaren und möchte mich zu oben Genanntem äußern.
Ich habe mich in meinen malerischen Anfängen in abstrakter Malerei versucht und es dann gelassen, weil ich sah, es stimmte etwas nicht, es fehlte etwas. Dann begann ich den üblichen Weg und lernte die altmeisterliche Ölmaltechnik und begann zu zeichnen, übte und übte und sah, was ich alles nicht konnte. Erst ca. 15 Jahre später begann ich wieder abstrakter zu werden. In der Zwischenzeit lernte ich, daß es auch im Leben eine Ideenwelt, eine reale Welt und eine art Zwischenwelt gibt. Jetzt erst wird mir klar, daß all meine erlernten Techniken, und meine Erfahrungen unermessliche Werkzeuge sind, welche mir vielerlei Möglichkeiten bieten, die vor 15 Jahren nicht vorhanden waren. Jetzt ist es mir möglich, das was ich auf der Ebene der Ideen wahr nehme bildlich umzusetzen ohne diese Ebene verlassen zu müssen. Allmählich habe ich das Gefühl, es wird stimmiger. Es war allerdings für mich ein sehr langer Prozess dahin nötig.
Ich glaube Kunst ist genauso individuell wie die Künstler selbst.
In diesem Sinne und in der Hoffnung bald öfter hier auftauchen zu dürfen….
liebe Grüße
Nadja (Oculus)
Verena
16. Mai 2012
Hallo liebe Nadja!
Herzlichen Dank für deinen Kommentar und deine Gedanken zu diesem immer aktuellen Thema…auch mich würde es freuen dich öfters hier zu sehen und zu lesen,..wer weiß!